Ubuntu schafft sich ab – Ein Kommentar

Irgendwie vermasselt jedes Unternehmen irgendwann mal etwas. Da sind die Jungs und Mädels von Canonical bei Weitem nicht die einzigen. Doch wenn, dann richtig. Ein Kommentar zur aktuellen Situation.

Beispielsweise hat sich auch Apple schon den Faux Pas geleistet, dass man einige Zeit auf den root-Account von macOS zugreifen konnte ohne ein Passwort einzugeben. Und auch Microsoft hat schon mal Updates verteilt, die einen potenziellen Datenverlust zur Folge haben könnten.

Äquivalent dazu ist auch Linux kein unbeschriebenes Blatt, insbdesondere Ubuntu. Da fällt es zumindest subjektiv sehr auf. Dass der von Canonical betriebene Cloud-Speicher Ubuntu One wegen Unrentabilität 2014 geschlossen wurde ist aus wirtschaftlicher Sicht noch vertretbar, denn Alternativen dazu gibt es bis heute wie Sand am mehr.

Weitaus fragwürdiger ist aber die Taktik, die mit Ubuntu 17.10 praktiziert wurde, das vor einem halben Jahr veröffentlicht wurde. Ein Nachfolge für den Anzeigeserver X.Org sollte her und mit Wayland gibt es auch einen. Dieser wurde standardmäßig installiert und aktiviert. Es zeigte sich jedoch, dass Wayland schlichtweg nicht reif genug ist, sodass Canonical wieder einen Schritt zurück gerudert ist. Mit dem heute erschienenden Ubuntu 18.04 LTS ist X.Org wieder der Standard.

Zuvor jedoch hat Canonical – ebenfalls mit Ubuntu 17.10 – den Bock damit abgeschossen, dass es das BIOS gänzlich zerstören konnte. Sprich: Ein Hardwareschaden ist die Folge. Es darf einfach nicht sein, dass Hardware kaputt geht nur weil man ein Betriebssystem installiert und dieses dann mal neu startet. Zugegeben war meine hardware nicht betroffen, als ich Ubuntu 17.10 installeirt hatte. Aber allein der Fakt, dass es hätte passieren können hat mich dazu veranlasst Ubuntu von meinem System zu verbannen. Bis heute.

Ubuntu 18.04 LTS ist heute erschienen – und damit auch ein neues Feature, das es erlaubt den Kernel von Linux zu updaten ohne neu zu starten. Zweifelhaft daran ist, dass das nicht so „ohne Weiteres“ geht, nein nein. Der User hat sich dafür nämlich bei Canonical mit einem Konto anzumelden. Und warum? Weil es ab dem vierten Gerät, das man mit dem Feature benutzen möchte, Geld kostet. What the hell?

Nein, das ist kein Scherz und wird in der Bilderstrecke von heise kurz erklärt. Und wenn ein Scherz wäre, dann nur ein schlechter. Canonical lässt sich also dafür bezahlen, dass der User nach Updates „seltener“ neu starten muss. Was ist daran so besonders, dass man es zu Geld machen muss? Nichts. Klar, man könnte auch einfach einen neuen Account eröffnen, wenn man bereits 3 Ubuntu-Systeme hat, die das (offensichtliche) „Feature“ benutzen. Aber mal ehrlich… das kann man auch anbieten ohne dafür die User einen Account anlegen zu lassen. Vor allem, weil es den Servern, auf denen die Updates bereitgestellt werden, herzlich egal sein dürfte ob der Rechner neu startet oder nicht. Der Sinn ist für mich einfach nicht ersichtlich.

Mal abgesehen davon, dass Ubuntu sich schon mit der BIOS-Geschichte mein ganzes Vertrauen verloren hat ist dieses „Update-mit-weniger-aber-nicht-ohne-Neustarts“-Geschäftsmodell ein weiterer Grund dafür Ubuntu auch in Zukunft die kalte Schulter zu zeigen. Wenn Canonical sich da mal nicht verzockt hat. Zumal ich in der Vergangenheit sowieso nie wirklich zufrieden mit meinen Ubuntu-Installationen (und Derivaten) war und ich es immer wieder genervt von der Platte geworfen habe. Sollte ich Linux noch mal anfassen, dann wird es sicher kein Ubuntu oder ein entsprechendes Derivat sein. Tendiere da eher zu Fedora. Sofern dies geschieht, lasse ich euch das sicher auch hier im Blog wissen.

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